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30/12/12 22:33 Alter: 5 yrs
Kategorie: Zeitungsartikel

„HIER BIN ICH DER KLOSTERHINDU“

Ein Ausflug auf die Fraueninsel verändert Nicky Sabnis’ Leben


Ein Ausflug mit seiner Gaby auf die Fraueninsel ist der Wendepunkt: Sabnis sieht ein Plakat, das für einen Qi-Gong-Kurs wirbt. Er nimmt Kontakt zum Kursleiter auf, schlägt ihm vor, für die Seminaristen zu kochen. Der ist von der Idee angetan – aber nur die für die Seminarleitung zuständige Schwester Scholastica McQueen kann Sabnis einstellen. Er muss probekochen. Ihr Kommentar nach dem Mahl: „I’m going to kidnap you. Du wirst hier bleiben.“

Seit 1998 leitet er die Küche im Seminarzentrum. Laut ayurvedischer Lehre besteht der Mensch aus den Grundenergien Vata, Pitta und Kapha, die er durchs Essen ins Gleichgewicht bringen kann. Sabnis ist kein Missionar, der den Leuten etwas aufzwingen will: „Ich sage nicht: Kaffee weg, dies weg, das weg. Ich sage nicht: Meine Kultur ist die beste. Austausch muss sein. Man kann ja ein, zwei Mal in der Woche etwas anderes kochen und beobachten: Was bewirkt‘s? Und vielleicht einen weiteren Tag einbauen.“ Bei Ayurveda gehe es um Genuss, nicht um Askese. „Man muss keine orangefarbenen Unterhosen anziehen oder Om-Mantren singen.“ Jedenfalls: Sind Vata, Pitta und Kapha ausbalanciert, so heißt es, dann geht es dem Menschen körperlich und seelisch gut. Nichts weniger ist Sabnis‘ Job: Er sorgt dafür, dass es den Leuten gut geht.

Wie gut geht‘s ihm selbst? Gabi und er haben geheiratet, sie sind nach Rimsting gezogen. Immer denkt er an Laxmi, seine Firma heißt „Laxmi Foods & Services“. Im Dezember 2009 feiert Sabnis seinen 50. Geburtstag in Mumbai mit Freunden und mit seiner Familie. Er bittet sie, ihm bei der Suche nach Laxmi zu helfen, reist weiter nach Goa. Am 3. Januar ruft ihn ein Freund an, gibt den entscheidenden Tipp. „Wir haben sofort gepackt, sind nach Poona gefahren. Am 9. Januar hab ich Laxmi endlich gefunden. Das war der glücklichste Tag meines Lebens.“ Seither halten die beiden intensiv Kontakt.

Sabnis‘ nächstes Ziel: Er will Ayurveda in Deutschland nach vorn bringen. „Das ist harte Arbeit. Ich muss aber nicht groß überzeugen – das Essen sagt alles. Man muss aufgeschlossen sein. Wer es probiert hat, der merkt: Er fühlt sich gut, ist angenehm satt, aber es belastet ihn nicht.“ Sein Ziel verfolgt Sabnis konsequent. Demnächst wird er in einem Münchner Kaufhaus kochen, beim Baumburger Biomarkt am 5. Juni will er für Ayurveda werben. Er bildet Anfänger, Fortgeschrittene und Profis aus. Eben ist sein sechstes Kochbuch erschienen. „Die Menschen müssen lernen, das Essen nicht einfach reinzuschaufeln, sie müssen das Genießen lernen. Denn wer nicht genießen kann, wird ungenießbar. Sagte schon Goethe.“ 

Nicky Sitaram Sabnis hat noch viel vor mit seinem Leben im Hier und Jetzt. In seiner Heimat Bayern.                                    

Andreas Falkinger